Zum Inhalt springen
FM-Connect Chat

Hallo! Ich bin Ihr FM-Connect Chat-Assistent. Wie kann ich Ihnen helfen?

FM-Solutionmaker: Gemeinsam Facility Management neu denken

Neue Fluide kontrolliert in Prozesse einführen

Facility Management: Fluidmanagement » Strategie » Produktsubstitution

Eine bessere Alternative muss praktisch bestehen

Ein neues Fluid kann mit geringerer Gefährdung, vereinfachter Sortenvielfalt oder stabileren Prozessen verbunden sein. Ob dieser Nutzen am Standort entsteht, entscheidet sich jedoch nicht allein anhand eines Produktdatenblatts. Ausgangspunkt ist ein konkretes Verbesserungsziel. Die Substitutionsprüfung nach § 6 GefStoffV und die Vorrangregelung des § 7 GefStoffV werden mit technischen und betrieblichen Anforderungen verbunden. Herstellerfreigaben, Werkstoffe, Dichtungen, Bearbeitungsverfahren und nachfolgende Prozessschritte gehören in die Bewertung. Eine Alternative ist nicht schon deshalb geeignet, weil sie biologisch abbaubar oder als besonders nachhaltig beworben wird. Die Beurteilung muss ihre tatsächlichen Verwendungsbedingungen einschließen.

Produktsubstitution für sichere und nachhaltige Fluidprozesse

Anforderungen vor dem Produktvergleich festlegen

Ein Anforderungsprofil unterscheidet unverzichtbare Kriterien und bewertbare Vorteile. Unverzichtbar können etwa Maschinenverträglichkeit, geforderte Bauteilqualität und wirksame Schutzmaßnahmen sein. Vergleichbar bewertet werden beispielsweise Pflegeaufwand, Verbrauch und Rückstandsverhalten. Für jede Eigenschaft wird festgelegt, welcher Nachweis akzeptiert wird: Herstellerbestätigung, Laborprüfung, Bearbeitungsversuch oder dokumentierte Betriebserfahrung. Die Zuständigkeit für die Freigabe liegt nicht allein beim Einkauf. Produktion, Qualität, Instandhaltung und die fachlich zuständigen Schutzfunktionen wirken entsprechend ihrem Aufgabenbereich mit. Unklare Aussagen zu Mischbarkeit oder Umstellung werden vor dem Versuch schriftlich geklärt. Anderenfalls bleiben sie erkennbare Ausschlussgründe für einen unkontrollierten Serieneinsatz.

Freigabestufe

Zu belegende Eigenschaft

Entscheidung

Vorauswahl

Eignung und Gefährdungsprofil

Für Prüfung zulassen

Technischer Versuch

Maschinen- und Werkstoffverträglichkeit

Pilotumfang festlegen

Betriebspilot

Qualität, Verbrauch, Pflegeaufwand

Fortsetzen oder abbrechen

Serienfreigabe

Stabile Ergebnisse und Dokumentation

Definierten Einsatz erlauben

Den Pilotversuch gegen Zufall absichern

Ein Pilot erhält einen begrenzten Anlagenumfang, geeignete Vergleichsbedingungen und klare Abbruchkriterien. Zu Beginn werden Ausgangsqualität, Prozessparameter und bisherige Verbrauchsmengen dokumentiert. Die Versuchsdauer soll die maßgeblichen Betriebszustände abdecken, nicht lediglich eine störungsfreie Schicht. Dabei werden auch Reinigung, Filterverhalten, Hautkontaktmöglichkeiten und nachfolgende Bearbeitungsschritte beobachtet. Ein Produkt, das beim Zerspanen überzeugt, kann beispielsweise die spätere Reinigung oder Beschichtung beeinflussen; solche Effekte sind zu prüfen, nicht vorauszusetzen. Änderungen am Prozess werden protokolliert, damit Verbesserungen nicht fälschlich allein dem neuen Medium zugerechnet werden. Der Pilotbericht beschreibt auch nicht bestätigte Erwartungen.

Die Umstellung als eigenen Auftrag behandeln

Eine Serienfreigabe benötigt einen Umstellungsplan. Er regelt Restmengen, erforderliche Reinigung, Umgang mit nicht freigegebenen Mischungen, Neubefüllung und erste Kontrollen. Ein bloßes Nachfüllen des neuen Produkts in das alte Medium ist keine allgemein zulässige Umstellungsstrategie. Bei Hydraulikflüssigkeiten ist die Maschinenfreigabe besonders zu beachten; die BGHM-Hinweise zur Hydraulikinstandhaltung erläutern die Bedeutung passender Druckflüssigkeiten. Etiketten, Dosierfaktoren, Prüfpläne und Lagerkennzeichnungen werden gleichzeitig angepasst. Alte Bestände bleiben eindeutig zugeordnet oder gesperrt. Die ausführenden Personen erhalten eine konkrete Arbeitsanweisung, bevor die erste Anlage umgestellt wird. Ein Rückfallplan berücksichtigt auch bereits befüllte Systeme.

Die Freigabe mit einer Bewährungsphase abschließen

Nach der Umstellung werden ausgewählte Parameter zeitweise enger verfolgt. Eine erfolgreiche Erstbefüllung ist noch kein Nachweis dauerhaft stabiler Serienbedingungen. Auffälligkeiten werden produkt-, anlagen- und chargenbezogen ausgewertet. Erst nach bestätigter Bewährung werden Ersatzprodukte, Einkaufsstandards und standortübergreifende Freigaben angepasst. Eine Freigabe nennt ihren Geltungsbereich und die Bedingungen, unter denen sie erneut geprüft werden muss. Dadurch entsteht ein lernfähiges Sortiment statt einer beliebigen Produktliste. Der Nutzen einer Substitution liegt nicht im Wechsel selbst. Er liegt in einem belegbar sichereren, verlässlicheren oder ressourcenschonenderen Prozess, dessen neue Anforderungen im Alltag tatsächlich beherrscht werden.